Prägnante Architektur gegen den Verfall von „Sonneneck“

Passend zur laufenden Vorstellung der Leerstandsobjekte, die im Zuge der Sommerakademie bearbeitet werden, möchten wir euch heute noch einmal die Arbeit von Anna-Lena Leiting ins Gedächtnis rufen, die im Zuge ihrer Abschlussarbeit an der TH OWL bereits im vergangenen Juli entstanden ist: Anna Lena hatte sich das Haus Sonneneck in der Parkstraße für Ihre Arbeit ausgewählt und ein interessantes Nutzungskonzept erdacht!

DAS IST EIN SEHR PRÄGNANTES HAUS MIT EINER HERVORSTECHENDEN LAGE

Detmold/Horn-Bad Meinberg, 11.07.2019 (aus: Lippische Landeszeitung, von Tanja Andersen)

 

Hoch hinaus könnte es für die Bad Meinberger bald gehen, sollten die Pläne von Anna-Lena Leiting tatsächlich umgesetzt werden. Die Absolventin der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit dem Umbau des Hauses „Sonneneck“ in der Parkstraße beschäftigt und ein viel beachtetes Konzept entwickelt, das neues Leben in das Viertel bringen könnte. Das markante Eckgebäude hatte es der Architektin nach einem Rundgang durch das Viertel besonders angetan.

 

„Das ist ein sehr prägnantes Haus mit einer hervorstechenden Lage“, erklärt sie die Entscheidung, ihre Bachelorarbeit diesem Objekt zu widmen. Das Umbauen von Bestandsgebäuden sei ein großes Thema in der Architektur und interessiere sie besonders. Der älteste Gebäudeteil von 1905 solle erhalten bleiben und durch einen Zwischenbau, der die Formensprache des Bestandes auf moderne aber zurückhaltende Weise interpretiert, ergänzt werden. Hier finden laut erster Planung zwei barrierefreie Wohnungen Platz.

 

Kernpunkt des Entwurfs ist jedoch die multifunktionelle Nutzung durch ein Cafe und einen Shop für Wander- und Kletterbedarf. Als absoluter Höhepunkt soll eine Kletteranlage integriert werden, die die Sportler auf über 25 Meter Höhe zum „alpinen Klettersport“ bringt. Diese Anlage ist größtenteils in einem Turm untergebracht, der durch eine Glasfassade spannende Ausblicke sowie Einblicke auf das sportliche Treiben im Inneren gewährt.

 

 

„Dieser Turm bildet eine Landmarke, die einen hohen Wiedererkennungswert bietet“, begründet die geborene Münsteranerin, die 2014 ihr Duales Studium der Architektur aufgenommen hat, ihren Entwurf. Der Shop für Wanderausrüstung korrespondiere mit den Sportmöglichkeiten in der Umgebung. Das Verpflegungsangebot könne laut Konzept von einem der umliegenden Cafes beigesteuert werden, ohne in Konkurrenz mit diesen zu treten.

 

„Das ist eine sehr selbstbewusste Architektur“, findet Bürgermeister Stephan Rother, der wie die übrigen Gäste auf Einladung von Nadine Weber vom KlimaQuartier, der Präsentation folgte. Weber hatte den Kontakt zur Hochschule hergestellt. Zusammen mit weiteren Anwesenden aus Politik und Bauwirtschaft sowie der Entwurfsverfasserin entwickelte sich eine angeregte Diskussion im Obergeschoss der Hochschule, wo Leiting die Pläne sowie Materialien aufgebaut hatte. Das filigran gearbeitete Holzmodell wurde zum Betrachten des Innenkonzeptes auseinandergenommen. Brandschutz- sowie Statikanforderungen wurden erörtert und auch die Frage eines veganen Restaurants wurde in den Raum gestellt.

 

Die 26-jährige Leiting hat mit ihrem Konzept einen Nerv getroffen und einen ersten Schritt in Richtung Neuplanung angestoßen. „Wir erfahren hier immer neue Perspektiven, die helfen, über den Tellerrand herauszublicken“, freut sich Rother. Bevor im Wintersemester Studenten der Technischen Hochschule OWL in Projekten Ideen für weitere Leerstandsobjekte des Viertel entwickeln, startet im September die Sommerakademie mit Teilnehmern aus sechs Nationen, bei der ebenfalls neue Nutzungsmöglichkeiten überlegt werden. Das von Leiting erarbeitete Konzept wollen die Anwesenden der Präsentation nutzen, um aktiv für eine Neugestaltung zu werben. So soll das schöne Viertel fit für die Zukunft gemacht werden.

 

Die Umnutzung von ehemaligen, teilweise schon länger leer stehenden Kurpensionen zu Wohnraum oder Wohn- und Geschäftshäusern ist in Bad Meinberg eine große Aufgabe. Maßnahmen zur Anpassung des Bestandes an die altersgerechten Bedürfnisse der Bewohner sollen das Quartier zukunftsorientiert umgestalten. Dessen Wiederbelebung und Attraktivitätssteigerung soll Neubürger, Invetsoren und Gewerbetreibende anziehen und einen Nutzen für die gesamte Stadt haben. Daher hat die Stadt Horn-Bad Meinberg ein Quartiersmanagement für die Sanierung eingerichtet. Die Abschlussarbeit von Anna-Lena Leiting stellt quasi den Startschuss für meherere Projekte dar, die sich mit der Neuentwicklung des gesamten Quartiers befassen.

 

von Tanja Andersen